Universität Erlangen-Nürnberg
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Erwerbslosigkeit

Die negativen Folgen von Arbeitsplatzverlust und fortdauernder Erwerbslosigkeit für die Betroffenen sind inzwischen durch eine Vielzahl von Studien dokumentiert. Diese Studien wurden am Lehrstuhl im Rahmen einer großangelegten internationalen Metaanalyse zusammen getragen und statistisch integriert, um ein empirisch fundiertes Fazit über den bisherigen Stand der Forschung ziehen zu können. Es zeigte sich dabei, dass Arbeitslose eine deutlich schlechtere psychische Gesundheit aufweisen als Erwerbstätige. Das Geschlecht, die Berufsgruppe sowie die Dauer der Arbeitslosigkeit moderierten den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und beeinträchtigter psychischer Gesundheit. Der ökonomische Entwicklungsstand, die Gleichheit der Einkommensverteilung sowie die Großzügigkeit des Arbeitslosenunterstützungssystems wirken ebenfalls moderierend. Metaanalysen von Längsschnittdaten bestätigten, dass Arbeitslosigkeit nicht nur mit psychischer Beanspruchung korreliert, sondern diese auch verursacht. Es ließen sich zwar auch gesundheitsbezogene Selektionseffekte auf dem Arbeitsmarkt nachweisen, die allerdings schwach ausfielen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass inzwischen sehr eindrucksvolle empirische Belege dafür existieren, dass Arbeitslosigkeit eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung eines Landes darstellt.

Das Forschungsprojekt befasst sich auch mit den Wirkmechanismen, die den negativen Effekt der Arbeitslosigkeit mediieren. In mehreren Studien konnte dabei bestätigt werden, dass Marie Jahodas Modell der manifesten und latenten Funktionen der Erwerbsarbeit ein signifikanter Erklärungswert zukommt. Demnach geht es Arbeitslosen schlecht, weil sie unter einem Mangel von fünf psychischen notwendigen Funktionen leiden, die Erwerbsarbeit sozusagen nebenbei verfügbar macht, ohne dass dies ihr ursprünglicher Zweck wäre. Diese fünf latenten Funktionen sind: Zeitstruktur, Sozialkontakt, kollektive Zielsetzungen, Status, sowie Aktivität.

Weitere am Lehrstuhl durchgeführte Studien belegen zudem, dass auch Werte eine entscheidende Rolle spielen. Die arbeitsbezogenen Werte und Lebensziele Arbeitsloser passen typischerweise nicht zu ihrer aktuellen Lebenssituation, was einen negativen Einfluss auf das psychische Befinden ausübt.

Bei den vielfältigen Weiterbildungsmaßnahmen und Unterstützungsprogrammen für Erwerbslose stellt sich immer wieder die Frage nach der Effektivität dieser Maßnahmen. Die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt stellt nur ein eingeschränktes Evaluationskriterium dar. In Kooperation mit verschiedenen Weiterbildungsträgern entwickelten wir ein Evaluationsprogramm und verschiedene Evaluationskriterien anhand derer sich feststellen lässt, inwieweit auch "weiche" Kursziele wie z.B. die Entwicklung der Eigeninitiative umgesetzt werden und sich tatsächliche Veränderungen in Einstellung und Verhaltensweisen ergeben.

Karsten Paul

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02.04.2015